.

Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

Zurück
   

C002

MIETHÄUSERKOMPLEX ZUR AUSSICHT 1926 - 1927

 

Vaňkovo náměstí 569-572,289,290,2/1-7 (Stránice) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Žlutý kopec (TROL 35, 38, 39)

GPS: 49°11'43.152"N, 16°35'10.828"E

 

Architekt

Audio-Aufnahme

MP3 herunterladen
Neueste Version des Flash Players herunterladen

Objekttyp

 

MIETSHAUS

 

Fotogalerie

Text

Auf den Hängen der Brünner Kraví hora (Kuhberg) und Žlutý kopec (Gelber Berg) breitete sich seit Ende des 19. Jahrhunderts überwiegend die Villenbebauung des deutschen Beamtenviertels aus. Nach der Entstehung der Tschechoslowakei wurde dieses luxuriöse Wohnviertel zum Schauplatz einer umfangreichen Bautätigkeit und es entstanden eine Reihe von interessanten funktionalistischen Villen von fortschrittlichen Brünner Architekten. Auf dieses Viertel richtete sich auch die Aufmerksamkeit der Regulierungs- und Architekturabteilung des Bauamtes, bis 1925 von Jindřich Kumpošt geleitet. Nach seinen Entwürfen entstanden hier eine Reihe von urbanistischen Ensembles aus Miet- und Einfamilienhäusern.
Jindřich Kumpošt konnte auch den neuen Vaňkovo Platz auf dem Gelber Berg gestalten, dessen Halbkreiskonzeption aus einem älteren Wettbewerbsentwurf zur Planung dieses Gebietes von Jaroslav Grunt aus dem Jahr 1922 hervorgeht. Kumpošt entwarf die zwei konkav gewölbten Flügel des Wohnhauskomplexes mit ursprünglich leicht überhöhten Eckattiken so, dass hier ein Tor entstand, das den Eingang in die Lerchova Straße umschloss. Wie es bei Kumpošts Bauten aus dieser Zeit oft der Fall ist, verbindet sich die puristische Baukonzeption mit den Elementen des klassizistisch wirkenden Monumentalismus, der seinen Ausdruck in der großzügigen städtebaulichen Konzeption und in der symmetrischen Anordnung findet. Genauso wurden auch Siedlungen des Sozialprogramms der Neuen Sachlichkeit konzipiert, die infolge der Nachkriegswohnungskrise in ganz Europa entstanden. (Ähnliche monumentale Halbkreisblockbauten benutzte z. B. der Architekt Bruno Taut bei der Hufeisensiedlung in Berlin.) Heute ist die Purität der ursprünglich einfachen Segmentelemente durch nachträglich hinzugefügte Walmdächer gestört. Dadurch verschob sich die Stileinordnung der Häuser in Richtung sozialistisch-realistischer Tendenzen der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Oft stellten nämlich die Flachdächer der Zwischenkriegsbauten eine anspruchsvolle technische Lösung dar und bei der unerlässlichen Reparatur wurden sie gelegentlich durch billigere Konstruktionen mit Bedachung aus Dachziegeln ersetzt. Kumpošts Multifunktionsareal umfasst neben Wohnungen auch Geschäft- und Dienstleistungsflächen in den Erdgeschossen der Endrisalite in den Straßen Lerchova, Tvrdého und Barvičova.
Die steigende Lust zu Bauen in der Mitte der 20er Jahre hängt mit dem Ende der Nachkriegswirtschaftskrise zusammen, was Niederschlag auch in der vermehrten Gründung von Wohnungsbaugenossenschaften fand. Unter deren Patronanz entstanden Miethäuser und Einfamilienhaussiedlungen für die jetzt besser situierte Mittelklasse. Die Wohnhäuser auf Vaňkovo Platz wurden für die Bau- und Wohngenossenschaft „Na Vyhlídce“ (Zur Aussicht) errichtet, die Kumpošts Dienste auch bei weiteren Bauten in den unweiten Straßen Lerchova, Sedlákova und Rudišova in Anspruch nahm.

 

 

Literatur

 

 

Rozšířené vyhledávání