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Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

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Lipová 248/43 (Pisárky) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Lipová (TRAM 1)

Lipová (BUS 52, TROL 25, 26, 37)

Pavlíkova (TROL 38)

GPS: 49°11'34.77"N, 16°34'36.12"E

 

Architekt

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In der ansteigenden Lipová Straße im Brünner Stadtteil Pisárky wurde im Jahre 1930 eine Villa für Gustav Haas, Generaldirektor der Brünner Filiale der Anglo-Tschechoslowakischen Bank errichtet. Es handelt sich um eine der Villen, die Ernst Wiesner in diesem Stadtteil für vermögende jüdische Bauherren entworfen hat und deren architektonischer Ausgangspunkt eine ähnliche Gliederung ist. Die heutige Situation der Villa Haas ist leider durch den Bau der Studentenwohnheime in der sozialistischen Ära und durch das anliegende monumentale Gebäude der Ökonomischen Fakultät der Masaryk Universität aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts negativ beeinflusst.
Das Gebäude ist ähnlich wie bei den Villen Münz, Stiassny und Neumark um den nördlichen Eingangsvorhof organisiert, den der Bedienstetentflügel und der Hauptwohnbereich mit der vorspringenden Garage festlegen. Das Höhenspiel der Baukörper knüpft an das nach Süden geneigte Terrain an. Die allgegenwärtigen Terrassen mit dem eleganten Geländer schaffen die charakteristische nautische Gestalt der Villa. Den rein funktionalistischen Ausklang des Baus stören auch die Fensterchambranen aus Travertin und der ursprünglich graublaue Fassadenton. Dank Abbildungen in der damaligen Fachpresse kennen wir die ursprüngliche Ausstattung des Wohn- und des Esszimmers, von dem nur ein Kamin erhalten ist. Am ausdruckvollsten erscheinen auf den Fotos die dekorative Balkendecke und der geometrisch gefasste Parkettboden. Klassizistisch nüchterne Möbel – Stühle mit hohen Rückenlehnen, ein massiver Tisch und eine Anrichte – erhöhen die historisch wirkende Prägung des Innenraums, die noch durch historische Gemälde in dekorativen Rahmen betont wird. Die Bedienstetenräume dagegen waren mit modernsten technischen Anlagen ausgestattet. Ähnlich wie bei der Villa von Alfred Stiassny wird auch hier der deutliche Kontrast zwischen der modernen Architekturkonzeption und der traditionell behandelten Ausstattung des Interieurs – wahrscheinlich dem Geschmack der Bauherren entsprechend – sichtbar.
Die Familie Haas musste aufgrund ihrer jüdischen Abstammung das Haus im Jahre 1939 verlassen und über das weitere Schicksal der Familie gibt es keine Aufzeichnungen. Im Jahre 1948 wurde die Villa nationalisiert. 1955 wurden der tschechoslowakische Staat und danach die Hausverwaltung des Stadtnationalausschusses zu ihrem Eigentümer. Die Villa wurde in mehrere Wohnungen unterteilt, die unlängst als Eigentumswohnungen verkauft wurden.

 

Literatur

 

 

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