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Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

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Lipová 234/22 (Pisárky) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Neumannova (TROL 38)

Lipová (TRAM 1,2,3,5,6,9,10,12)

GPS: 49°11'41.049"N, 16°34'39.198"E

 

Architekt

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Anfang der 30er Jahre erschien im Atelier von Zikmund Kerekes ein bedeutender Kunde. Es war JUDr. Bedřich Bass (1910–1979), Brünner Advokat, Sekretär der Brünner Jüdischen Gemeinde und späterer Vorsitzende des Rates der Jüdischen Gemeinden in Böhmen und Mähren. Beim Architekten Kerekes gab er eine Villa für ein Grundstück in der Lipová Straße in Auftrag, derer Hänge, unlängst noch mit Weinreben bewachsen, sich zu dieser Zeit in ein Residenzviertel verwandelten.
Im Hinblick auf die Bedürfnisse der vielköpfigen Familie des Bauherren, entwarf Kerekes eine zweistöckige Villa mit zweibündiger Aufteilung, die vier fast eigenständige Wohneinheiten umfasste. Der Hauseingang ist an der nördlichen Gartenseite situiert. Nach dem Eingang erschließt sich die Eingangshalle mit einer angegliederten Treppe, die jedes Stockwerk in zwei Zweizimmereinheiten mit eigenem Bad, Küche und Kammer unterteilt. Zur sonnigen Südseite orientieren sich das Schlafzimmer mit einem verglasten Erker und die Terrasse, zu der die Salons der beiden Wohnungen und das Arbeitszimmer hinführen. Im zweiten Stock befinden sich zwei weitere eigenständige Wohnungen, im Parterre der Villa wurden die Betriebseinrichtungen untergebracht. Die südliche Fassade ist belebt durch die graue Eternitverkleidung der Terrasse und des Erkers und durch einen halbkreisförmigen Balkon im zweiten Stock.
Bedřich Bass floh Anfang des 2. Weltkrieges ins Ausland und trat in die Armee im Nahen Osten ein. Danach schloss er sich der tschechoslowakischen Einheit in der Sowjetunion an und unter der Führung von General Ludvík Svoboda nahm er an den Kämpfen für die Befreiung der Slowakei teil. Nach Kriegsende kehrte er nach Brünn zurück und widmete sich wieder seiner Advokatenpraxis. Während des Krieges wurde die Villa im Zuge der Konfiskation des jüdischen Eigentums durch den Auswanderungsfonds für Böhmen und Mähren enteignet und im Jahre 1945 ging sie in die Nationalverwaltung über. Ein Jahr später hatte die Familie Bass die Villa restituiert, die sie im Jahre 1948 als zwei Hälften verkaufte. In den Jahren 2000–2001 wurde die Villa nach den Plänen des Architekten Jan Sapák rekonstruiert, der die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes der Villa anstrebte und zugleich den Anforderungen des neuen Besitzers nachkommen wollte, der das Haus zum Wohnen, sowie als Büro nutzt. Das Ergebnis ist eine gelungene Rekonstruktion der Villa mit vielen erhaltenen architektonischen Details und ursprünglicher Innenausstattung.


 

Literatur

 

 

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