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Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

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C063

VILLA VALERIE FISCHEROVÁ 1926 - 1927

 

Preslova 229/1 (Pisárky) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Pavlíkova (Trolejbus 38)

GPS: 49°11'41.78"N, 16°34'53.56"E

 

Architekt

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Brünner Advokat Karl Reissig vergab im Jahre 1925 einen ungewöhnlichen Auftrag an den Wiener Architekten Leopold Bauer. Er wollte ein Haus für die Leiterin seiner Rechtsanwaltskanzlei errichten – als Belohnung für ihre langjährigen Dienste. Das Fräulein Valerie Fischerová sollte bis zu ihrem Tod im Haus bleiben können, das Nutzungsrecht wurde ihr aber nach zehn Jahren aus unbekannten Gründen entzogen. Leopold Bauer realisierte bereits 1901 einen Bau für Karl Reissig. Das Haus in der Hlinky Straße 148 aus dem Jahre 1901 war zwar sein erster Auftrag, das Ergebnis wurde allerdings den damaligen Kritikern zufolge zum modernsten Bau in der Monarchie. Zwanzig Jahre später hatte sich Bauers architektonisches Denken jedoch deutlich verändert. Anstatt Hygiene, Schlichtheit, moderner Technologien und wissenschaftlicher Rationalität bevorzugte er Mannigfaltigkeit, historische sowie regionale Zitate und Bequemheit für die Bewohner, wodurch er sich freiwillig in den weniger progressiven und populären Strom des verkümmernden Historismus einfügte.
Der vierstöckige, aus zwei kubischen Volumen gebildete Bau wurde im abfallenden Terrain am Anfang der Preslova Straße errichtet. Schon vom weitem fesselt er die Aufmerksamkeit durch walzenförmige Renaissanceerker an den Ecken. Jedes Stockwerk der Villa wurde ursprünglich durch eine andere Fensterart durchbrochen, die auch seine Nutzung versprachlichte. Die Spitzbogenfenster im Erdgeschoss öffneten den Essraum zum Garten hin. Der repräsentative erste Stock bekam eine offene Arkade mit toskanischen Säulen. Im zweiten Stock befanden sich Schlafzimmer des Fräuleins und seiner Mutter und der letzte Stock mit Holzverkleidung und kleinen Fenstern war für Bedienstetenräume bestimmt. Prachtvoll wurde auch die Inneneinrichtung gefasst. Den Kern des Hauses bildete die etagenübergreifende Eingangshalle mit einer Treppe und einem Kamin mit Reliefen des Wiener Bildhauers Alfred Hoffmann, zu dessen Werk auch die in der Halle angebrachte Plastik der Tänzerin gehörte. Beinahe sakral wirkte die Einrichtung des geräumigen Schlafzimmers und des mit Onyx verkleideten Badezimmers, das in einem der Erker untergebracht wurde.
Der 2. Weltkrieg brachte ein Ende der ursprünglichen Wohnfunktion der Villa. Seit den 50er Jahren wurde das Haus vom Mährischen Museum genutzt. Während dessen Tätigkeit hat es keine wesentlichen Eingriffe in seine Gestalt erlebt und bis zum Jahr 2000 blieben ursprüngliche Türen, Tafelwerke, Kassettendecken, Einbaumöbel, der Kamin mit den Terrakotta-Reliefs und sogar die Onyxverkleidung im Badezimmer erhalten. In den 90er Jahren wurde die Villa jedoch restituiert und auf den Wunsch der neuen Eigentümer – infolge des nicht vorhandenen Denkmalschutzes – im Jahre 2001 radikal umgebaut und die Inneneinrichtung zerstört.

Literatur

 

 

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