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Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

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Jezuitská 687/6 (Město Brno) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Malinovského náměstí (TRAM 1,2,4,8,9,10,)

Malinovského náměstí (TRAM 1,2, 4, 8,9,11,12)

Malinovského náměstí (BUS 67)

GPS: 49.19762N, 16.61337E

 

Architekt

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In der Nähe des heutigen Janáček-Theaters im Park Koliště auf der Brünner Ringstraße stand Anfang des 20. Jahrhunderts ein Holzpavillon mit der Bezeichnung Café Schopp. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte ihn der Kaffeehausbetreiber Josef Zeman und entschloss sich, an dessen Stelle ein gemauertes Café zu bauen. Er suchte sich dafür den jungen Architekten Bohuslav Fuchs aus, dem es gelang das erste konsequent funktionalistische Gebäude in Brünn zu entwerfen, das unter dem Namen Pavillon 1926 eröffnet wurde.
Den Gebäudekörper bildet der Quader des überhöhten Hauptraums des Cafés, zu dem die kubischen Räume des Haupteingangs, des Salons und der zweigeschossigen Wirtschaftsräume zugeordnet sind. Diese radikal auf einfache kubische Formen reduzierte, funktionelle Auffassung und die verglasten Wände tauchen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts im Schaffen von Le Corbusiere auf. Mit seinem Schaffen konnten sich die Brünner Architekten außer durch Publikationen in Zeitschriften auch dank der Vorlesung Purismus und die französische Architektur, die in Brünn 1925 gehalten wurde, bekannt machen. Auf ihr konnte er zum Beispiel das bereits existierende Typenhaus Citrohan mit verglasten Wänden der überhöhten Halle vorstellen. Bohuslav Fuchs verwendete auch große Glasfenster in Eisenrahmen, die in den Sommermonaten ins Souterrain abgesenkt wurden und somit war die Verbindung von Interieur und Exterieur perfekt. Bereits fünf Jahre früher verwendete er hier ein System, das später dank der Brünner Villa Tugendhat berühmt wurde. Teil seines Entwurfs waren auch in Kupfer und Messing ausgeführte Accessoires im Interieur.
Das Café diente seiner Bestimmung bis zur Verstaatlichung 1948, als es in einen Kindergarten umgewandelt wurde. Anfang der 60. Jahre wurde sein Abriss wegen des Baus des Janáček-Theaters beschlossen, obwohl dieser keinen Einfluss auf das Grundstück des Cafés hatte. Bohuslav Fuchs selbst versuchte das Café durch einen Alternativentwurf des Theaters zu retten, mit dem er aber keinen Erfolg hatte und das Gebäude wurde 1964 abgerissen. Die erste Erinnerung an dieses bedeutende Gebäude war das Happening Zweites Abstecken des Cafés Zeman, das die jungen Architekten Zbyněk Pech und Jana Janíková am 16. November 1991 veranstalteten. Bei dieser Aktion steckten die Teilnehmer mit Pflöcken die ursprüngliche Raumanordnung des Cafés ab, dessen Volumen mit Luftballons angezeigt wurde und luden Passanten hier zu einem Kaffee ein. Diese künstlerische Provokation reifte später zu einem realen Gedanken, eine Replik des Cafés zu errichten, für die sich auch ein Investor fand. Der Ausarbeitung des Projekts an einem geeigneten Ort, abseits vom Janáček-Theater, nahm sich das Atelier ERA (Architekten Pech und Janíková) an. Gegenüber der ursprünglichen Form des Cafés wurde das neue Gebäude um ein Klubgeschoss im Souterrain erweitert und in unmittelbarer Nähe des Gebäudes wurde ein Musikpavillon errichtet, der sich bereits im Projekt von Fuchs aus dem Jahre 1925 fand, aber ursprünglich nicht realisiert wurde. Nach erhaltenen Fotografien und anderen Gebäuden von Fuchs gelang es, auch die Ausstattung des Interieurs zu rekonstruieren. Eine fast perfekte Replik des Cafés Zeman wurde am 24. März 1995 am 100. Jahrestag der Geburt von Bohuslav Fuchs feierlich eröffnet und dient bis heute als Café und Restaurant.

 

Literatur

 

 

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