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Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

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Divadelní 603/1,3, Benešova 603/4 (Město Brno) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Malinovského náměstí (TRAM 2, 4, 11)

Malinovského náměstí (TRAM 1,2,4,8,9,11,12)

Malinovského náměstí (BUS 67)

Koliště (BUS 82)

GPS: 49°11'42.847"N, 16°36'50.108"E

 

Architekt

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Der heute kompakte Häuserblock des Palais Morava (Mähren) zwischen dem Platz Malinovského náměstí und den Straßen Divadelní und Benešova blickt auf eine interessante Bauentwicklung zurück. Auf dem Grundstück befanden sich ursprünglich der Bau des sog. Doret-Hofs, der mit seiner Hauptfassade zum Mahen-Theater hin ausgerichtet war, sowie ein daran anliegendes Varieté-Gebäude.
Im Jahre 1926 kaufte Hermine Stiassny, die Gattin des bedeutenden Textilfabrikanten Alfred Stiassny, das Varieté-Gebäude und wollte an dieser Stelle ein Hotel errichten. Im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs wandte sie sich deshalb an die Architekten Peter Behrens, Jacobus Oud, Archibald Campbell und Ernst Wiesner. Bald änderte sie jedoch ihre Pläne und beschloss, statt eines Hotels ein Kauf- und Mietshaus zu errichten, mit dessen Entwurf der im ursprünglichen Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Ernst Wiesner beauftragt wurde. 1928, als das Haus zu bauen begonnen wurde, verkaufte es Hermine Stiassny jedoch an die Mährische Landeslebensversicherungsanstalt (Moravská zemská životní pojišťovna). Der neue Besitzer ließ den Bau nach den schon festgelegten Vorgaben fertigstellen.
Die formale Auffassung dieses multifunktionellen Gebäudes korrespondierte eindeutig nicht mit der damals vorherrschenden Ausrichtung auf die befreite Ästhetik des Funktionalismus. Das Fassadenraster der Eisenbetonkonstruktion beschreibt elegant die Kurve der Straße Benešova und neigt sich expressiv in die Straße Divadelní. Dort wird durch die Durchbrechung des Baukörpers in den oberen Stockwerken die erwünschte Durchleuchtung der Wohnungen von Süden her erzielt. Der zweigeschoßige verglaste Sockel enthielt im Erdgeschoß Geschäfte, im ersten Stock befanden sich Büros und ein ausgedehntes Café, das in den 1930ern noch bis zum Eck reichte, wo sich damals die heute nicht mehr bestehende halbkreisförmige Terrasse mit einer einzigartigen Fächermarkise befand. Die Fülle der Funktionen der öffentlich zugänglichen Räume dieses Objekts wurde von einem Varieté und einem geräumigen Kinosaal im Souterrain ergänzt.
Im Jahre 1935 beschloss die Mährische Landeslebensversicherungsanstalt, auch das Gebäude des benachbarten Doret-Hofs zum Malinovského náměstí hin umzubauen. Mehrere wichtige Brünner Architekten – wie z.B. Bohuslav Fuchs, Bedřich Rozehnal oder Bohumil Babánek – wurden aufgefordert, Wettbewerbsentwürfe einzureichen. Schließlich siegte wieder der Entwurf Wiesners, der beide Häuser zu einem kompakten Block vereinen wollte. Sein Projekt wurde von so manchen Zeitgenossen allerdings als traditionell und konservativ kritisiert. Der entworfene Bau knüpfte mit der Ziegelfassade an das schon bestehende Haus an und der ausdrucksvolle Baukörper bildet einen adäquaten Gegenpol zum gegenüberliegenden Mahen-Theater. An den ursprünglichen viergeschoßigen Bau des Doret-Hofs erinnern sowohl Gliederung der Fenster (ursprünglich waren sie größer) als auch die Bögen im Erdgeschoß, die hinter den vorgesetzten Schaufenstern durchleuchten. Die mit Travertin verkleideten polygonalen Ecken, das mächtige zentrale Eingangsportal und der volle Körper des letzten Stockwerks unterstreichen noch die repräsentative Wirkung des Versicherungssitzes. Die markanten Travertinecken bilden zugleich eine Dominante in der Durchsicht von der Straße Kobližná.
Die Dispositionslösung ist traditionell, an das kommerziell genützte Parterre und die Zutrittshalle knüpft ein dreitraktiges Gebäude mit Büros und einem Innengang an. Einen Kontrast zum vollen Gemäuer der konventionell aufgefassten Straßenfassade stellt die progressive industrielle Ästhetik der Innenhoffassade dar. Hier sticht die verglaste Treppenhauswand der Eintrittshalle sowie die verglaste Vertikale des Aufzugsturms des Palais Morava hervor. Wiesners Auffassung vom Bau ist somit nicht um die modernste formale Lösung im Geiste der damaligen funktionalistischen Grundsätze bemüht. Sein Beitrag besteht eher in der sensiblen Reaktion auf die schon bestehende städtische Verbauung, in deren Ergänzung sowie in dem Bemühen, eine vollendete urbanistische Synthese zu schaffen.

 

 

Literatur

 

 

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