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Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

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C240

KIRCHE DER HUSSITISCHEN GEMEINDE 1926 - 1928

 

Botanická 590/1 (Veveří) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Smetanova (TROL 32, 34, 36)

Antonínská (TRAM 1, 2, 4, 6, 8, 9, 10, 12)

Grohova (3, 9, 11, 12)

GPS: 49°12'13.304"N, 16°36'11.325"E

 

Architekt

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Im Jahre 1920, kurz nach der Entstehung der Tschechoslowakei wurde auch die Tschechoslowakische Hussitische Kirche gegründet, deren Mission es war, eine rein tschechische religiöse Plattform zu schaffen und sich von der römisch-katholischen Kirche und deren Anbindung an die Habsburgermonarchie abzugrenzen. Eine wichtige Rolle bei der Suche nach einer nationalen Identität spielte die Anknüpfung an die Tradition der tschechischen Reformation und die hussitische Bewegung. Der erste Patriarch war nach der Abspaltung des orthodoxen Flügels der Geistlichkeit der Theologe und Religionslehrer Karel Farský. In Brünn fanden die ersten Gottesdienste der neu entstandenen Religionsgemeinde im Hof des Neuen Rathauses und im „Besední dům“ („Beseda-Haus“ – gesellschaftliches und kulturelles Zentrum der tschechischsprachigen Brünner – Anm. des Übersetzers) statt, gleichzeitig begannen sich in Form von Spendengeldern finanzielle Mittel für den Bau eines eigenen Kirchengebäudes anzusammeln.
Im Jahre 1927 wurde von der Stadt Brünn ein abschüssiges Grundstück an der Stelle des ehemaligen Friedhofes im städtischen Park in der Botanická-Straße angekauft. Gleichzeitig wurde ein architektonischer Wettbewerb ausgeschrieben, in dem der Entwurf von Jan Víšek gewann; den zweiten Platz besetzte mit seinem Projekt Bohuslav Fuchs. Beide Entwürfe zeichnen sich durch ausgeprägte formale Einfachheit und eine Reinheit des Ausdrucks aus, und man kann sagen, dass sie außer den Grundsätzen des Funktionalismus auch eine Grundhaltung der hussitischen Kirche erfassten, die Achtung vor der wissenschaftlichen Wahrheit verkündete: „ Was wahr ist, ist auch gut (ethischer Charakter); was wahr ist, ist auch schön (ästhetischer Charakter).“ Die ersten Varianten von Víšeks Konzeption sahen nicht einmal den Bau eines Turmes vor, der erst auf Drängen des Auftraggebers in den Entwurf eingearbeitet wurde. Der Bau nutzt die Neigung des Terrains so, dass die Terrasse des Haupteingangs über eine Treppe zugänglich ist, während ein zweiter Eingang unter dem Niveau der Straße in der seitlichen Fassade untergebracht ist. Die Stirnseite mit dem Haupteingang ist völlig glatt und lediglich mit einem Kelch über dem schlichten Portal geschmückt, hinter dem sich der Kirchensaal mit einem erhöhten Presbyterium an seinem Ende befindet. Von hier aus sind sowohl Nebenräume als auch der Turm zugänglich, der asymmetrisch in die Straßenfassade gesetzt wurde.
Von der Straße gelangt man in ein Vestibül im Souterrain mit vier Säulen als Teil des Stahlbetonskeletts und in den anliegenden Gesellschaftssaal, der unter dem Kirchenraum und dem Presbyterium liegt. Bestandteil des Saales waren ursprünglich auch eine Bühne mit Orchestergraben und Nebenräume für die Auftretenden, im Vestibül befand sich direkt gegenüber dem Eingang eine Garderobe, links ein Buffet und rechts vom Eingang eine Kasse. Heute befinden sich in diesen Souterrain-Räumen ein Restaurant und ein Billardsaal.

Literatur

 

 

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