.

Brünner Architekturmanual

 

Gebäude

Zurück

Kounicova 944/1 (Veveří) Brno Střed

Öffentlicher Verkehr: Česká (TRAM 12)

Česká (TROL 32, 34, 36)

Česká (TRAM 3,4, 5, 6, 9)

Moravské náměstí (TRAM 1,2,4, 6,8,9,10)

GPS: 49°11'57.142"N, 16°36'18.462"E

 

Architekt

Audio-Aufnahme

MP3 herunterladen
Neueste Version des Flash Players herunterladen

Objekttyp

Fotogalerie

Text

Im Jahre 1923 entschied sich der Landesausschuss einen Wettbewerb zur baulichen Erweiterung des II. Landhauses des Architekten Ferdinand Hrach aus dem Jahre 1917 auszuschreiben. Die Gründe hierfür waren die Lage der bisherigen Amtsräume, die unter einem Dach vereint sein sollten, an verschiedenen Orten, die allgemeine Wohnungsnot sowie die hohe Arbeitslosigkeit unter den Bauarbeitern. Die Wettbewerbsbedingungen legten eine Respektierung des benachbarten historistischen Gebäudes und seine bauliche Erweiterung anstelle der älteren unangemessenen Bebauung der Ecke an der Kounicova-Straße und dem Žerotínovo Náměstí (Žerotín-Platz) fest. Wohnräume sollten zwei Drittel der Bodenflächen einnehmen, wie es das Gesetz über Bautätigkeiten im Falle des Erhalts einer staatlichen Förderung vorsah. Weiters waren im Gebäude ein Café, ein Restaurant, Geschäfte sowie eine große Schalterhalle mit weiteren Räumen der Mährischen Hypothekenbank geplant.
Die Jury des Wettbewerbs verlieh letztendlich niemandem den ersten Preis, den zweiten Platz belegte das Projekt „Jednota“ („Einheit“) von Miloslav Kopřiva, den dritten Platz Bohuslav Fuchs mit dem Entwurf „III. Landhaus“. Der Landesausschuss hatte jedoch gegen Kopřivas Entwurf eine Reihe von Einwänden bezüglich des Betriebs des Gebäudes, entschied sich deshalb, das Urteil der Expertenkommission nicht zu respektieren, und beauftragte den obersten Baumeister František Utíkal, die bauliche Erweiterung zu planen. Dieser Schritt löste empörten Widerstand sowohl in der Öffentlichkeit, als auch bei Fachleuten aus, die sich radikal den historistischen Tendenzen von Utíkals Entwurf widersetzten. Kritisiert wurden nicht nur die veraltete Formensprache, sondern auch die seltsamen Praktiken bei der Ausschreibung architektonischer Wettbewerbe. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung entschied sich das Bauamt, wenigstens die Gestaltung der Fassade dem Architekten Karel Náhůnek zu überlassen, der bei seinem Entwurf teilweise von der ursprünglichen Konzeption Kopřivas ausging.
Der Haupteingang des Gebäudes befindet sich in der zurückversetzten Fassade an der Ecke, die den administrativen an das ältere Gebäude Hrachs anschließenden Flügel mit dem Wohntrakt verbindet. In diesem in der Kounicova-Straße liegenden Teil wurde aufgrund der unpassenden ursprünglichen Höhe der Decken (4 m) ein sechster Stock ergänzt. Die Fassaden reagieren sensibel auf den historistischen Dekor des alten Gebäudes, der in die geometrischen Formen des Art Deco übertragen wurde, was sich vor allem an der Fassade in der Ecke zeigt, die von einem erhöhten Risalit gebildet wird. Über dem Haupteingang befindet sich ein Vordach, das von Skulpturen menschlicher Figuren von Václav Mach gestützt wird; darüber befinden sich ein Balkon und die vertikale Linie der Treppenhausfenster mit geknickten Mauerblenden. Der Innenraum des Eingangsbereiches war mit schwarzer, grauer und grüner Marmorverkleidung geschmückt. Der Neubau wurde schließlich hauptsächlich von der Universitätsbibliothek genutzt. Im erhöhten Erdgeschoss wurde nach Náhůneks Entwurf ein großes französchisches Café für 568 Personen eingerichtet, im Souterrain ein Marmorsaal mit hoher Kapazität und ein Kino.

PH

Literatur

 

 

Rozšířené vyhledávání